Unmut in Winkhausen

Der Unmut über das von Wirtschaftsförderer Hendrik Dönnebrink vorgelegte Wirtschaftsflächenkonzept gärt weiter. Auf einer von den Grünen organisierten Bürgerversammlung im Gemeindezentrum der Evangelischen Christuskirche in Winkhausen machten letzte Woche etwa 130 Anwesende ihrer Verärgerung Luft.

Es ging um das rund 460.000 Quadratmeter umfassende Gelände im Bereich der Reuterstraße. Das Areal gehört zur Reihe der Siepentäler, die sich wie das Winkhauser- und Hexbachtal von Mülheim bis Essen ziehen. Deshalb waren auch Essener Bürger, darunter zwei Ratsmitglieder und der stellvertretende Bezirksbürgermeister, unter den Besuchern.

Befürworter einer Bebauung fanden sich nicht. Dies, obwohl Moderator Tim Giesbert ermunterte, auch diese Ansichten zu äußern.

Eingangs stellte Grüne-Ratsfrau Brigitte Erd die Seriosität des im Konzept aufgeführten Zahlenwerks infrage. „Die willkürlich und subjektiv ins Feld geführten Zahlen haben nur einen geringen Aussagewert.“ Gestützt auf Zahlen der Landesdatenbank stellte sie klar, dass Mülheim bei Freiflächen von 44,3 Prozent weit unter den bei vergleichbaren Kommunen liegenden 53,1 Prozent liege. Zudem habe die Stadt sowohl bei der Beschäftigtenzahl im produzierenden Gewerbe als auch bei Handel und Verkehr bessere Zahlen vorzuweisen, als dies das Konzept darstelle.

Wolfgang Sykorra von der Bürgerinitiative Essen-Schönebeck erinnerte daran, dass das Winkhauser Tal in den letzten Jahrzehnten immer wieder Begehrlichkeiten geweckt habe. Sei es einst für die Fortführung der A 31, für eine Deponie, eine Justizvollzugsanstalt im benachbarten Hexbachtal als auch für einen Golfplatz. Die durch Gutachten des TÜV und Ageplan belegte hohe ökologische Wertigkeit habe solche Pläne stets zum Scheitern verurteilt. Seine Bürgerinitiative werde auch jetzt gegen eine Bebauung vorgehen.

Dass Wirtschaftsförderung und städtisches Planungsdezernat in dieser Frage nicht an einem Strang ziehen, machte Klaus Beisiegel deutlich. Der Referent des Beigeordneten Peter Vermeulen verwies auf das Planungsrecht. Es spreche in Sachen der Fläche an der Reuterstraße eine klare Sprache. Sowohl der Regionale als auch der lokale Flächennutzungsplan könnten nur durch ein langwieriges Planungsverfahren ausgehebelt werden. Weil eine Acker- und Grünfläche einen Wert von fünf Euro pro Quadratmeter ausmache, die für Industrie- und Gewerbe 55 bis 100, hingegen Handel und Büro bis 230 Euro, seien auch wirtschaftliche Interessen im Spiel.

In der abschließenden Fragerunde wiesen viele auf den Naherholungswert des Gebietes hin. Beklagt wurde die mangelnde Bereitschaft zu Flächenrecycling.

Im nun anstehenden Prüfverfahren werden die Flächen jeweils einzeln begutachtet.

Die Grünen laden für Samstag, den 29. Februar um 11.00 Uhr zur Ortsbegehung der ebenfalls für Gewerbe avisierten Fläche am Auberg ein. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz am östlichen Ende der Remscheider Straße.

Jürgen Pastowski

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