Keine CO₂-Pipeline durch den Broich-Speldorfer und Duisburger Wald

Um die Trassenführung der geplanten Co2-Trasse durch den Broich-Speldorfer Wald zu verhindern, nutzen wir auch alle internen Kanäle. Dazu gehören viele parteiinternen Gespräche. Darüber hinaus haben wir uns auch ganz offiziell an den GRÜNEN Bundesvorsitzenden, den Duisburger Felix Banaszak, sowie die GRÜNE Landesministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, Mona Neubaur, gewendet. Wir wollen alle Kräfte mobilisieren, um unseren Wald zu erhalten. Hier findet ihr die Mails an Felix Banaszak und Mona Neubaur.

Betreff: Keine CO₂-Pipeline durch den Broich-Speldorfer und Duisburger Wald

Lieber Felix,

wir wenden uns heute mit einer dringenden Bitte an dich: Wie du bereits weißt ist derzeit vorgesehen, die Trassenführung des Delta Rhine Corridor durch den Broich-Speldorfer und Duisburger Wald zu führen. Wir machen uns auch auf Mülheimer Seite aktuell mit diversen GRÜNEN Formaten stark gegen diese Planung. Und wir können jede Unterstützung gebrauchen!

Wir erkennen ausdrücklich an, dass eine CO₂-Infrastruktur für unvermeidbare industrielle Prozesse einen Beitrag zur klimaneutralen Transformation leisten kann. Gerade als GRÜNE wissen wir aber auch: Klimaschutz darf nicht gegen den Schutz von Wald, Böden, Wasser und biologischer Vielfalt ausgespielt werden. Eine klimafreundliche Infrastruktur verliert an Akzeptanz, wenn für sie wertvolle und ohnehin knappe Naturräume geopfert werden, obwohl weniger schädliche Alternativen möglich sein könnten.

Nach dem derzeitigen Planungsstand würden die von Open Grid Europe favorisierten Korridore sensible Wald- und Freiflächen an der Grenze zwischen Mülheim und Duisburg durchschneiden. Für den Bau ist ein rund 28,5 Meter breiter Arbeitsstreifen vorgesehen. Auf Mülheimer Seite wären insbesondere der Bereich rund um die Monning und der angrenzende Speldorfer Wald betroffen. Die Eingriffe beträfen nicht nur einzelne Bäume, sondern einen zusammenhängenden Natur- und Erholungsraum.

Eine solche Trassenführung hätte vielfältige Folgen:

Rodung und Zerschneidung zusammenhängender Waldflächen,
erhebliche Eingriffe in gewachsene Waldböden,
Beeinträchtigung von Lebensräumen und Biotopverbindungen,
mögliche Folgen für Wasserhaushalt, Versickerung und Starkregenvorsorge,
jahrelange Belastungen durch Bauarbeiten, Baustellenverkehr, Lärm und Staub,
dauerhafte Einschränkungen für die Naherholung,
zusätzliche Belastungen für einen dicht besiedelten Ballungsraum, in dem intakte Waldflächen besonders wertvoll sind.

Neu gepflanzte Bäume können die Funktionen eines über Jahrzehnte gewachsenen Waldes nicht kurzfristig ersetzen. Es geht deshalb nicht nur um eine spätere Kompensation, sondern vor allem um die Vermeidung des Eingriffs.

Wir bitten dich, dich im Rahmen deiner politischen Möglichkeiten öffentlich und gegenüber den Verantwortlichen dafür einzusetzen, dass die aktuell favorisierte Trassenführung durch den Wald nicht weiterverfolgt wird,
dass alternative Routen vollständig, transparent und ergebnisoffen geprüft werden, dass insbesondere eine Bündelung mit bestehenden Verkehrs-, Leitungs- oder sonstigen Infrastrukturkorridoren untersucht wird,
dass Wald- und Naturschutz bei der Variantenabwägung ein deutlich höheres Gewicht erhalten, dass Open Grid Europe frühzeitig in einen ernsthaften Dialog mit den betroffenen Kommunen, Initiativen und Anwohner*innen eintritt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn die Position der GRÜNEN hie im westlichen Ruhrgebiet öffentlich unterstützt und das Gespräch mit Open Grid Europe sowie den zuständigen Stellen in Bund und Land von allen Seiten gestärkt wird.

Unser Anliegen richtet sich nicht grundsätzlich gegen eine CO₂-Transportinfrastruktur. Es richtet sich gegen eine Trassenplanung, bei der wertvolle Waldflächen als vermeintlich einfach verfügbarer Raum behandelt werden. Eine zukunftsfähige Infrastruktur muss klimaverträglich, naturverträglich und gesellschaftlich vermittelbar sein.

Herzliche Grüße

Björn Maue

Betreff: Delta Rhine Corridor: Unser Einsatz für eine waldfreie Alternativtrasse in Mülheim und Duisburg

Liebe Mona,

wir bitten dich als zuständige Landesministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, deinen politischen und fachlichen Einfluss zu nutzen, um eine Trassenführung des Delta Rhine Corridor durch den Broich-Speldorfer und Duisburger Wald zu verhindern.

Wir GRÜNE in Mülheim unterstützen das Ziel, unvermeidbare industrielle CO₂-Emissionen zu reduzieren, sicher zu transportieren und dauerhaft der Atmosphäre zu entziehen. Nordrhein-Westfalen braucht eine belastbare Strategie für die klimaneutrale Transformation seiner Industrie. Diese Transformation darf jedoch nicht auf Kosten ökologisch besonders wertvoller und im dicht besiedelten Ruhrgebiet kaum ersetzbarer Wald- und Freiräume erfolgen.

Nach den derzeit vorliegenden Planungen sollen die von Open Grid Europe favorisierten Korridore durch beziehungsweise unmittelbar entlang des zusammenhängenden Waldgebietes an der Stadtgrenze von Mülheim und Duisburg verlaufen. Für die Bauphase ist ein rund 28,5 Meter breiter Arbeitsstreifen vorgesehen. Auf Mülheimer Seite wären insbesondere der Bereich rund um die Monning und der angrenzende Speldorfer Wald betroffen.

Der vorgesehene Eingriff wäre aus unserer Sicht nicht auf die vorübergehende Baustelle zu reduzieren. Zu erwarten sind vielmehr:

die Rodung und Fragmentierung eines zusammenhängenden Waldgebietes,
Schädigungen gewachsener und ökologisch wertvoller Waldböden,
Beeinträchtigungen von Tier- und Pflanzenlebensräumen,
eine Schwächung des Biotopverbundes zwischen Mülheim und Duisburg,
mögliche Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Versickerung und örtliche Starkregenvorsorge,
erhebliche Belastungen der Bevölkerung durch eine mehrjährige Bauphase,
dauerhafte Einschränkungen eines wichtigen Naherholungsraums,
der Verlust von Kühlungs- und Klimafunktionen in einem hochverdichteten Ballungsraum.

Gerade im Ruhrgebiet erfüllen Waldflächen mehrere unverzichtbare Aufgaben gleichzeitig. Sie sind Lebensraum, CO₂-Speicher, Frischluftgebiet, Wasserspeicher und Erholungsraum. Eine Ersatzaufforstung kann diese Funktionen jedenfalls auf absehbare Zeit nicht gleichwertig wiederherstellen.

Uns ist bewusst, dass die konkrete Raumverträglichkeitsprüfung von den zuständigen Regionalplanungsbehörden durchgeführt wird und eine abschließende Zulassungsentscheidung erst in einem späteren Verfahren getroffen wird. Gerade deshalb halten wir es jetzt für erforderlich, dass das Land eine klare politische und fachliche Erwartung formuliert: Waldgebiete dürfen nicht zur Vorzugsvariante werden, solange weniger eingriffsintensive Trassenführungen nicht umfassend und ergebnisoffen untersucht worden sind.

Wir appellieren daher an dich, gegenüber Open Grid Europe deutlich zu machen, dass die derzeit favorisierte Waldquerung auf erhebliche politische und fachliche Bedenken stößt, im Rahmen deiner Zuständigkeiten auf eine belastbare und nachvollziehbare Prüfung alternativer Korridore hinzuwirken,
die Bündelung der Leitung mit bereits vorhandenen Verkehrs-, Energie- und Leitungstrassen vorrangig untersuchen zu lassen, sicherzustellen, dass nicht nur technische Machbarkeit und Baukosten, sondern auch langfristige ökologische Schäden und der Verlust von Ökosystemleistungen vollständig berücksichtigt werden, dich öffentlich gegen eine Trassenführung durch den Broich-Speldorfer und Duisburger Wald zu positionieren,
ein gemeinsames Gespräch mit Open Grid Europe, den betroffenen Kommunen und den örtlichen Initiativen zu unterstützen.

Wir erwarten keine pauschale Ablehnung der für die industrielle Transformation notwendigen Infrastruktur. Wir erwarten aber, dass eine grün mitregierte Landesregierung darauf achtet, dass Klimaschutzinfrastruktur nach dem Grundsatz „Vermeidung vor Kompensation“ geplant wird.

Das Verfahren ist noch offen. Deshalb besteht jetzt die Möglichkeit, die Planung in eine naturverträglichere Richtung zu lenken. Wir bitten dich nachdrücklich, diese Möglichkeit zu nutzen und dich für eine alternative Route außerhalb der betroffenen Waldflächen starkzumachen.

Herzliche Grüße

Björn Maue